atb# 123 Milena Bonilla | Yupanqui Ramos

Magic Restistance. Botanical conflicts and Eco-Feminisms

Eröffnung: Freitag 24. Juli, ab 19 Uhr
Eröffnungsperformances von: Wirya Budaghi und Anguezomo Nze Mba Bikoro

Ausstellung: 25. Juli – 30. August, 2026
Kuratorinnen: Anguezomo Nzé Mba Bikoro, muSa michelle mattiuzzi, Andrea Goetzke
Geöffnet nach Vereinbarung:

Lese-Sessions (auf Englisch): Donnerstag27. und Freitag 28.August jeweils um 18:30 mit dem Kuratorinnen Kollektiv
Film Screening: Freitag 28. August 21 Uhr
Finissage: Sonntag, 30. August, 2026, 15-18 Uhr

Inspiriert von den radikalen Philosophien von Gus Speth, Frantz Fanon und Sylvia Wynter fordert diese Ausstellung einen tiefgreifenden relationalen, spirituellen, ökologischen und materiellen Wandel und zeigt, wie Gemeinschaften – die historisch von weiblichen Freiheitskämpferinnen angeführt wurden – kulturelle Erinnerungen neu kodieren, um sich gegen kapitalistische Ausbeutung zu wehren und die planetarische Solidarität wiederherzustellen. Ausgehend von einem feministischen Verständnis von sozialer Gerechtigkeit positioniert diese Zusammenarbeit zwischen Yupanqui Ramos und Milena Bonilla ökologische Fürsorge und „Pflanzenkomplizinnenschaft“ als wesentliche Formen der Verteidigung der Erde. Beide Künstlerinnen untersuchen, wie Menschen und Pflanzen gemeinsam Widerstand gegen koloniale Ausbeutung leisteten, und zeigen, wie intersektionale Fürsorge die Verbindung des Menschen zur Erde stärkt und politischen Widerstand aktiviert.

Yupanqui Ramos’ Error 404: soil not found deckt die Gefahren von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) großer Konzerne auf, indem sie diese der indigenen Saatgutsouveränität und dem traditionellen Milpa-Polykultursystem gegenüberstellt. Mithilfe von drei Darsteller:innen, die Gewänder tragen, die als aktive, mit Erde gefüllte Ökosysteme fungieren, lotet ihr Werk die Spannungen zwischen modernen CRISPR-Patenten und den überlieferten, auf Gemeingütern basierenden Saatgutzyklen aus. Ausgehend von Maya-Erzählungen, Traditionen des Curanderismo und Ubuntu verankert Ramos ihre Praxis in einem historischen Kontinuum der von Frauen geführten mexikanischen Landverteidigung und hebt ökologische Fürsorge als antikolonialen Kampf hervor.

Indem sie Rosa Luxemburgs botanisches Vermächtnis und ihre tiefe persönliche Verbindung zu Pflanzen während ihres politischen Kampfes nachzeichnet, nutzt Milena Bonillas Videotrilogie I am life, and life is beautiful. Ein Gespräch, geleitet von Rosa Luxemburgs Herbarium, mit der Kräuterkundlerin und Tänzerin Shelley Elkin, Luxemburgs historisches Herbarium als einzigartigen Treffpunkt, um verschiedene kulturelle Traditionen der „Pflanzenkomplizinnenschaft“ miteinander zu verknüpfen und liefert letztlich eine kraftvolle ökofeministische Kritik am kolonialen Kapitalismus. In Zusammenarbeit mit Shelley Etkin verwebt das Werk somatische Bewegung mit historischem Archivmaterial, um die Botanik der Gefängniszeit als lebenswichtiges Instrument für Überleben und Widerstand neu zu definieren. Indem sie „Pflanzenkomplizinnenschaft“ als Form des politischen Widerstands einführt, verbindet Bonilla die Sorge um die Umwelt mit dezentralen, von Frauen geführten ökologischen Anbautraditionen und positioniert Flora und Ökosysteme als aktive Verbündete der Befreiung des Planeten.

Die Werke der Künstler:innen werden durch kollektive Lese-Sessions ergänzt, in denen Texte von Autor:innen wie Denise Ferreira da Silva, Olúfẹ́mi O. Táíwò, Sylvia Wynter, Silvia Federici, Ros Gray & Sheila Sheikh sowie Rosa Luxemburg gelesen werden. Ziel ist es, die Wiedergutmachung für koloniale Verbrechen aus forensischer Sicht unter den Gesichtspunkten landwirtschaftlicher Ausbeutung, ökofeministischer Bewegungen, Umweltrassismus und queerer Ökologien neu zu beleuchten.

Durch feministischen ökologischen Widerstand und körperzentrierte Heilung positionieren die Performances von Wirya Budaghi und Anguezomo Nze Mba Bikoro zur Eröffnung die Erde als aktive Teilnehmerin an der menschlichen Befreiung und zeigen, wie antikolonialer Landschutz und gemeinschaftliche Praktiken – von kurdischen Ökodörfern bis hin zu von den Amazigh inspirierter Klangtherapie – für die Überwindung staatlicher und patriarchaler Gewalt unerlässlich sind. Die Lesungen befassen sich mit Texten zur dekolonialen und Schwarzen Emanzipationstheorie, zu ökofeministischen Ansätzen, zur Umweltgerechtigkeit sowie mit historischen und aktuellen Beispielen für die Komplizinnenschaft zwischen Mensch und Pflanze in Widerstandskämpfen, die mit dem kuratorischen Rahmen und den Forschungsschwerpunkten der Ausstellung in Verbindung stehen.

BIOGRAFIEN der Beteiligten:

MILENA BONILLA (geb. in Bogotá) ist bildende Künstlerin, Pädagogin und unabhängige Forscherin, sie lebt und arbeitet in Amsterdam. Ihr Interesse gilt Praktiken und Erkenntnissen, die bestimmte Fragen zu Sprache und Handlungsfähigkeit als ontologische Eigenschaften stellen, die ausschließlich dem Menschen vorbehalten sind, sowie der Art und Weise, wie diese Prämisse in die Funktionsweise der Wirtschaftspolitik im Kapitalismus eingebettet ist. Diese Perspektive stützt sich auf Forschungen zur epistemischen Vielfalt und ihrer kolonialen Prägung sowie auf Vorstellungen von Kunst als Heilmittel. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen unter anderem die Baltic Gallery of Contemporary Art BGSW in Słupsk, Polen; das CCA Ujazdowski Castle in Warschau; Framer Framed in Amsterdam; die Galeria Municipal do Porto; The School of Impatiences in der Normandie; die Temporary Gallery in Köln sowie das Museum Miguel Angel Urrutia MAMU in Bogotá. Zu ihren jüngsten Lehr- und Beratungstätigkeiten zählen die Kunstakademie Oslo, das Sandberg Institute in Amsterdam und die WdKA Rotterdam. Derzeit arbeitet Milena mit If I Can’t Dance I Don’t Want To Be Part of your Revolution in Amsterdam im Rahmen des Langzeitprojekts Ferals and Ruderals, History from the Cracks zusammen.
https://milenabonilla.info

YUPANQUI RAMOS (geb. 1988 Guanajuato, Mexiko) ist eine multidisziplinäre Künstlerin und Kostümdesignerin, deren Arbeit eine Brücke zwischen Installations- und Performancekunst schlägt. In ihrer künstlerischen Praxis setzt sie sich kritisch mit kolonialen Dynamiken im ökologischen Kontext auseinander und verwebt dabei volkstümliche Erzähltraditionen, um neue Verbindungen zwischen der menschlichen und der übermenschlichen Welt herzustellen. Durch ihre immersiven Installationen und eindrucksvollen Performances lädt Ramos das Publikum dazu ein, die komplexen Beziehungen zwischen Kultur, Natur und Identität zu hinterfragen und neu zu denken. In ihren Arbeiten verbindet sie häufig traditionelle Handwerkstechniken mit zeitgenössischen künstlerischen Formen und schafft so einen Dialog, der zeitliche und kulturelle Grenzen überschreitet. Ramos hat ihre Arbeiten an namhaften Orten und im Rahmen bedeutender Veranstaltungen präsentiert, darunter Hosek Contemporary (2026), 36th Bienal de São Paulo (2025), Sophiensæle (2025), SAVVY Contemporary Berlin (2024), Humboldt Forum, Berlin (2024), Thalía Theater (2023),  Kampnagel (2022), Sprechwerk Hamburg (2022), and Beaux-Arts de Paris (2020).
www.yupanquiramos.com

WIRYA BUDAGHI (geb. 1979) ist ein kurdisch-iranischer Performancekünstler und Aktivist, der seinen Master an der Universität der Künste Berlin machte. Nachdem er vor der Verfolgung durch die iranische Revolutionsgarde sowohl im Iran als auch im Irak geflohen war, verbrachte er einige Zeit in deutschen Flüchtlingslagern, bevor er seine internationale Kunstkarriere aufbaute. In seinen eindringlichen Performances nutzt er seinen eigenen Körper, um staatliche Gewalt, militärische Angriffe und rassistische Ausgrenzung anzuprangern und für Menschenrechte wie zum Beispiel das Praktizieren seiner Muttersprache zu kämpfen. Mit seinen hochgelobten Arbeiten, die in Galerien und auf Festivals im Irak, im Vereinigten Königreich, in Polen und in Deutschland gezeigt wurden, schafft er einen gemeinsamen Raum für Aktivist:innen und Künstler:innen, um gegen Unterdrückung und Zensur zu protestieren.
https://wiryabudaghi.com/

ANGUEZOMO NZE MBA BIKORO (Gabuner-Amazigh) ist eine interdisziplinärere Künstlerin, Kuratorin, Dozentin, somatische Körpertherapeutin und Menschenrechtsaktivistin, die dekoloniale, körperbezogene Praktiken, traditionelle Heilmethoden und kognitive Verhaltenstherapie miteinander verbindet, um queere, BiPOC- und Migranten:innengemeinschaften auf ihrem Weg zu ganzheitlicher Souveränität und einer Transformation der psychischen Gesundheit zu unterstützen. Ihre abolitionistische Methodik bedient sich der Para-ec(h)ologien, einem kreativen forensischen und klanglichen Werkzeug zur Untersuchung von Geologien, Meeresmineralien und Landverdrängung, um Kolonialverbrechen, Agrarkriegsführung und den systemischen Mord an Schwarzen Frauen in deutschen Flüchtlingslagern zu dokumentieren. Durch internationale ortsspezifische Kooperationen verbinden ihre Projekte Klimagerechtigkeit, Kräuterkunde und klangliche Topologien von Land und Meer, um Vorurteile abzubauen und basisdemokratische emanzipatorische Instrumente für zivilgesellschaftliche Wiedergutmachung zu entwickeln.
www.anguezomo-bikoro.com

muSa MICHELLE MATTIUZZI (geb. in São Paulo) ist eine disziplinenübergreifende Künstlerin, deren Forschung und Praxis sich in Werken entfalten, die verschiedene Ausdrucksformen durchlaufen – von der Performance bis zum Schreiben, von der Fotografie bis zum Film. Koloniale Gewalt ist ein ständiges Thema in muSas poetischer Auseinandersetzung, und ihre Werke unterlaufen und verwandeln den exotischen Charakter, den weiße, cis-normative Imaginationen auf die Körpern Schwarzer Frauen projizieren, in ein Wesen, das zwischen dem Wunderbaren und dem Abscheulichen hin- und hergerissen ist. muSa interessiert sich für Schwarzes Radikales Denken / Black Radical Thinking sowie für die Auseinandersetzung mit den Werken der Philosophin Denise Ferreira da Silva und des Kulturtheoretikers Fred Moten. Sie ist Gründerin der Plattform Rethinking the Aesthetics of the Colony in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut São Paulo und dem Social Justice Institute (GRSJ) der University of British Columbia. Sie wurde mit dem Villa-Romana-Preis und dem KHI-Max-Planck (Florenz, Italien) ausgezeichnet (2021). Außerdem wurde sie als Theaterregisseurin für das Projekt CIA Capulanas de Arte Negra eingeladen, das vom 38. Fomento de Artes Cênicas der Stadt São Paulo und der Gwälter-Stiftung finanziell unterstützt wurde (2023).
musamattiuzzi.com

ANDREA GOETZKE (geb. in Deutschland) arbeitet als Kuratorin und Kulturveranstalterin. Ihr jüngstes Programm Plant Stories, das sie gemeinsam mit Lina Brion im ZK/U Berlin (2025) realisierte, untersuchte die Beziehungen des Menschen zu Pflanzen, warum diese politisch sind und wie sie anders gestaltet werden können. Andreas Arbeit ist darauf ausgerichtet, inspirierende Räume zu schaffen, in denen Menschen miteinander in Kontakt treten und Communities aufbauen können. In ihrer Arbeit der letzten Jahre hat sie mit dem kulturellen Raum als Proberaum für emanzipatorische Praktiken und mit Möglichkeiten des Umgangs mit etablierten ausbeuterischen und unterdrücker-ischen Strukturen und Beziehungen experimentiert. Ein Teil ihrer Arbeit widmet sich der Musik: Derzeit organisiert sie Knistern, eine Reihe für Klang und Gespräch, und leitet das Gemeinschaftsprogramm des Music Pool Berlin, nachdem sie viele Jahre lang ein Musikfestival organisiert hatte. Andrea verfügt über einen Hintergrund sowohl in digitaler Kultur als auch in Ökologie.
https://linktr.ee/andrea.goetzke

Mit freundlicher Unterstützung der

atb# 122 Susi Rogenhofer | Thomas Bratzke & Anna-Lena Wenzel

An die Arbeit!
Eröffnung: Freitag 5. Juni 2026, ab 19 Uhr
Konzert: Sweet Susie & Manni Montana, 21 Uhr

Ausstellung: 6. Juni 2026 – 5. Juli 2026
Kuratiert von:
Ina Wudtke, Kuration Filmprogramm: Ulrike Jordan
Geöffnet nach Voranmeldung:   

Eröffnung: Freitag 5. Juni 2026, ab 19 Uhr Konzert Sweet Susie & Manni Montana

Filmscreenings:

Samstag 20. Juni 19 Uhr Es kommt darauf an, sie zu verändern, Claudia von Alemann, BRD 1972/73, 54 min. OmeU
Freitag 3. Juli 2026, 19 Uhr Ekmek parası – Geld fürs Brot, Serap Berrakkarasu, BRD 1994, 102 min. OmeU

Finissage: Sonntag 5. Juli, 2026 15-18 Uhr, Zeitkapselversenkung

Rund um die Uhr wird an den unterschiedlichsten Orten gearbeitet und produziert. Doch wer sind die Menschen, die diese Arbeit verrichten, die die Maschinerie des Kapitalismus benötigt, damit diese am Laufen bleibt? Die Ausstellung An die Arbeit! entwickelt einen visuellen Dialog zwischen den Werken der in Wien lebenden Künstlerin Susi Rogenhofer (aka Sweet Susie) und des gebürtigen Lichtenberger Künstlers Thomas Bratzke, der zusammen mit der Kulturwissenschaftlerin Anna-Lena Wenzel für die Ausstellung eine partizipatorische Collage aus Stimmen und Zeichnungen erstellt hat.

Susi Rogenhofers audiovisuelle Serie United Workers rückt Arbeitende ins Rampenlicht, macht sie sicht- und hörbar und hinterfragt die Bedingungen der gegenwärtigen Arbeits- und Produktionswelten. Seit 2021 erkundet Rogenhofer in Kollaboration mit dem Musiker Manni Montana mit Kamera und Audio-Recorder Produktions- und Arbeitswelten in verschiedenen Ländern – etwa in Österreich, Mexiko, Namibia – und nun auch in Berlin Lichtenberg.  Zur Eröffnung am Freitag den 5. Juni ab 19 Uhr werden Sweet Susie und Manni Montana ihre Ideen einer Arbeiter:innenmusik des 21. Jahrhunderts live präsentieren.

Thomas Bratzke stieß im Rahmen einer Recherche in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums auf das Zeitkapsel-Exponat Schatztruhe für das Jahr 2000. Wie sich herausstellte hatten ehemalige Klassenkamerad:innen im Rahmen eines Arbeitsauftrages ca. 1989 in der 19. POS Robert-Uhrig (der heutigen Schule am Tierpark) Fotos, Briefe und Zeichnungen hergestellt und in einer Truhe deponiert, die wiederum auf dem Schulgelände vergraben wurde. Bratzke, der durch den Umzug seiner Familie in den Westen damals nicht an der Zeitkapsel beteiligt gewesen war, hat dieses Experiment nun wiederholt. Er befragte seine ehemaligen Mitschüler:innen sowie aktuell in Lichtenberg zur Schule gehende Jugendliche und lud sie ein an Schatzkiste Arbeit –  eine Zeitkapsel für das Jahr 2050 mitzuwirken. Dabei treiben ihn und Anna -Lena Wenzel folgende Fragen um: wie hat sich das Verständnis von Arbeit, seit den Pionieraufträgen, die in der Schatzkiste versammelt sind, verändert? Das gesammelte und hergestellte Bild- und Textmaterial werden Bratzke/Wenzel in eine Wandarbeit überführen und anschließend in einer Zeitkapsel auf dem Grundstück von after the butcher vergraben. 

Ein kleines Filmprogramm wird sich aus historischer Perspektive mit weiblicher und migrantisierter Arbeit auseinandersetzen. (Eintritt frei!)

Susi Rogenhofer (aka Sweet Susie *1971 in Wien) verbindet in ihrer Praxis Kunst und Musik. Mit dem Medium Film verhandelt sie in ihren Inszenierungen, Performances, und Installationen, die vorwiegend im öffentlichen Raum stattfinden und die u.a. für die Wiener Festwochen realisiert wurden, gesellschaftliche und ökologische Fragen. Darin gibt sie Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten, wie z.B. jene von Arbeiter*innen, macht diese sicht- und hörbar um damit Öffentlichkeit für jene, die in der bestehenden Ordnung unterrepräsentiert sind zu schaffen. Ihre früheren Erfahrungen als Clubbetreiberin im Wiener Flex (1995-2007) und weltweit aktive DJ/ Elektronikmusikerin, beeinflussen bis heute ihre künstlerische Praxis.

Manni Montana (aka Manfred Schmeczka *1968 in Wien)
*Elektronikmusiker, Sozialarbeiter* Manni Montana begann in den 1980ern als Bassist in Post-Punk- und Industrial-Rock-Bands und fand in den 1990ern zur elektronischen Musik. Mit dem Duo BASK und später solo veröffentlichte er international erfolgreiche Releases auf Dope Noir Records. 2010 gründete er mit Sweet Susie das Projekt CONTACT und arbeitete u. a. mit Franz Hautzinger. Heute widmet er sich neuen Klangexperimenten in Projekten wie United Workers.

Thomas Bratzke (*1977 in Berlin)
Die künstlerische Praxis von Thomas Bratzke (aka ZASD) bewegt sich zwischen Graffiti, urbaner Intervention, Performance und Installation. Seit den frühen 2000er Jahren arbeitet er mit einem erweiterten Skulpturbegriff, der Raum, Körper, Zeichen und soziale Prozesse einbezieht. Graffiti sowie Zeichen- und Schriftsysteme bilden dabei einen zentralen Ausgangspunkt. Performative Arbeiten verbinden räumliche Zeichnung und Malerei. In Installationen greift Bratzke autobiografische Erfahrungen aus einer deutsch-kubanischen DDR-Kindheit auf und thematisiert mit partizipatorischen Mitteln Erinnerung, Alltag und Transformation als begehbare, offene Raumstrukturen.

Anna-Lena Wenzel (*1980 in Hamburg)
ist Autorin und Künstlerin. Sie schreibt hauptsächlich über Kunst und für Künstlerin, am liebsten im Format des Interviews (u.a. für die ifa-Galerie und die nGbK). 2022/23 hat sie sich im Rahmen der Ausstellung KlassenfragenKunst und ihre Produktionsbedingungen in der Berlinischen Galerie intensiv mit den Arbeitsbedingungen von Kulturschaffenden beschäftigt. Von 2019 bis 2025 war sie Ko-Leiterin des Projektraumes Kleiner Raum für aktuelles Nichts in Kreuzberg.

Mit freundlicher Unterstützung von:

atb#121 Heidrun Holzfeind & Elke Marhöfer

STOP THE CONSPIRACY AGAINST ART AND NATURE

Eröffnung: 17. April, 2026, ab 19 Uhr

21:30 Uhr: Musik von Martin Ebner

Ausstellung: 18. April 2026 – 31. Mai 2026

Finissage: 31. Mai, 2026, von 15-18 Uhr

18-20 Uhr Listening Session: Frauke Boggasch spielt Stücke aus ihrer Sammlung japanischer Noise-Musik.

Geöffnet nach Vereinbarung: 0178 3298106 oder 

Die seit langem befreundeten Künstlerinnen Elke Marhöfer und Heidrun Holzfeind erforschen das transformative Potential sozialer und ökologischer Realitäten – sei es durch nichtmenschliche Akteure wie Tiere, Pflanzen und Objekte oder durch Menschen und ihre urbanen und architektonischen Umgebungen.

Die neueste Werkgruppe von Elke Marhöfer entsteht aus der Auseinandersetzung mit animistischer Töpferei. from 7pm to 4am versammelt eine Reihe nachtaktiver Protagonist*innen – Figuren, die sich zu diesen Stunden in ihrem Garten aufhalten und eine Schwelle zwischen Beobachtung und Imagination markieren. witch marks beschäftigt sich mit apotropäischen Zeichen, die historisch eingesetzt wurden, um Unglück abzuwenden. Dazu zählen unter anderem Augenmotive, die als Schutzzeichen fungieren und zugleich eine symbolische sowie materielle Kontinuität zu vernakulären Traditionen evozieren.

Objekte können eine funktionale Nutzung besitzen und dennoch als zeitgenössische Kunst existieren – etwa eine Tasse oder eine Schale. Gebrauchswert steht ihrem Status als Kunst nicht entgegen; vielmehr lassen sich solche Objekte als experimentelle Artikulationen des Virtuellen oder der Aisthesis in Bezug auf die eigene Lebenswelt verstehen. Diese Dimensionen schließen einander nicht aus. Dennoch hat die westliche Moderne historisch eine ontologische Trennung etabliert und hält an der Unterscheidung zwischen bildender und angewandter Kunst fest.

the time is now. (2019) ist eine zwei Filme umfassende Videoarbeit von Heidrun Holzfeind mitdem schamanischen Improvisationsduo IRO (Shizuko und Toshio Orimo). Die Musik der japanischen Experimentalmusiker*innen, ihr Aktivismus in der Friedens- und Anti-Nuklearbewegung sowie ihr freigeistiger Lebensstil sind Ausdruck einer animistischen und pantheistischen Weltanschauung, die sich vehement jeglicher Kommerzialisierung widersetzt. Holzfeind verknüpft ihre Musik und ihr Weltbild mit den gebauten Ideen des Inter-Universitären Seminarhauses von Takamasa Yosizaka, das 1965 in Hachioji, Tokio, errichtet wurde.

Heidrun Holzfeind beschäftigt sich in ihren Filmen, Fotos und Skulpturen seit vielen Jahren mit alternativen Lebenskonzepten abseits der Konsumgesellschaft, Strategien des Widerstands und Möglichkeiten für einen gesellschaftlichen Wandel im Bereich des Alltagslebens.

Save the date: Ikebana workshop mit Natalie Noti, 09. Mai. 2026, 14:30-17 Uhr
Anmeldung unter  / insta: @flowersandmoods; Mehr Info folgt zeitnah.

http://www.heidrunholzfeind.com    
https://elkemarhoefer.xyz/
Die Ausstellung wird organisiert von: Katarina Šević und Gergely László

atb#120. ATB4ever – Practices of Solidarity

große Jubiläumsausstellung! 

Finissage: Sonntag, 12. April, 15-18 Uhr

bis dahin geöffnet nur nach Voranmeldung: 01783298106 oder 

Seit 20 Jahren steht ATB für künstlerische Praxis im gesellschaftlichen Raum – für Solidarität, Auseinandersetzung, Öffentlichkeit und Unabhängigkeit.

Zum Jubiläum versammeln wir Weggefährtinnen, Komplizinnen und zukünftige Verbündete:
Über 200 Künstler*innen beteiligen sich mit phantastischen Kunstwerken – fast alle sind Solidaritäts-Beiträge.

Kommt feiert mit uns – und unterstützt unsere Arbeit.

Unser großer Dank gilt allen Beteiligten für ihre Großzügigkeit und ihr Vertrauen:

Endre Aalrust, Mohamed Abdulla, Tanya V. Abelson, Erfan Aboutalabi, Lena-Elise Aicher, Efe Aksu, Heather Allen, Ulf Aminde, Ayreen Anastas & Rene Gabri, Michel Aniol, Benjamin Badock, Michael Baers, Jamila Barakat, Thomas Bayrle, Göksu Baysal, Oliver Belling, Anastasiia Belousova & Nico Dasenbrock, Elisa T. Bertuzzo, Charlotte Besuijen, Wolfgang Betke, Michael Beutler, J.R. Blank, Frauke Boggasch, Angela Bonadies, Charlotte Bonjour, Shannon Bool, Elfe Brandenburger, Axel Brandt, Ulu Braun, Wolfgang Breuer, Peter Bux, Suna Choi, Ezra Æ. Church, Costantino Ciervo, Clegg & Guttman, Paul Coldwell, Daniela Comani, Alice Creischer, Sambaran Das, Chto Delat, Winfried Demhartner, Jean-Ulrick Desert, Almut Determeyer, Stephan Dillemuth, Discoteca Flaming Star, Dogan Dogan, Antje Dorn, Eva Durovec, Jutta Eberhard, Martin Ebner, Maria Eichhorn, Michaela Eichwald, Pia Leon Eikaas, Lukas Einsele, Robert Estermann, Katja Eydel, Nadine Fecht, Gard Frantzsen, Heiner Franzen, Doris Frohnapfel, Else Gabriel, Geoffrey Garrison, Florian Gass, Stephan Geene, Axel Gerber, Ingo Gerken, Surya Suran Gied, Gregor Gleiwitz, Jeremy Glogan, Erik Göngrich, Undine Goldberg, Asta Gröting, Stefan Gugerel, Florian Haas, Rosa Lena Händle, Kim Hankyul, Lydia Hamann & Kaj Osteroth, Alex Hamilton, Sebastian Hammwöhner, Tang Han, Lise Harlev, Eva Haule, Jochem Hendricks, Philipp Hennevogl, Cornelia Herfurtner, Friedrich Herz, Heidrun Holzfeind, Andy Hope 1930, Laura Horelli, Sonja Hornung & Daniele Tognozzi, Florian Hüttner, Franziska Hufnagel, Dominique Hurth, HUSS WEISE, Stephan Janitzky, Maarten Janssen, Anet Jünger, Anne Kaminsky, Wendelin Kammermeier, Johanna & Helmut Kandl, Heiko Karn, Katharina Karrenberg, Annette Kierulf, Caroline Kierulf, Thomas Kilpper, Hyon-Soo Kim, Gisela Kleinlein, Barbara Klinker, Franziska Kneidl, Karen Koltermann, Caroline Krause, Till Krause, Solon Krieger, Petra Kübert, Luis Kürschner, Thomas Lang, Gergely László, Birgit auf der Lauer, Laurie Lax, Julia Lazarus, Ines Lechleitner, Niina Lechtonen-Braun, Jens Lehmann, Leon Locher, Thomas Locher, Malte Lochstedt, Romain Loeser, Victoria Lomasko, Britta Lumer, Flo Maak, Haure Madjid, Lee Maelzer, Katrin von Maltzahn, Rita Marhaug, Maslowski/Grenzhaeuser, Corinna Mayer, Hans-Jörg Mayer, Jonathan McLeod, Eric Meier, Eva Christina Meier, Michaela Melian, Helmut Menzl, Lilly Merck, Yves Mettler, Karolin Meunier, Jöran Möller, Jörg Möller, Stephan Mörsch, Eduardo Molinari, Tobias Morawski in Kollaboration mit ANPU VARKEY und TFTS/RYC, Christina Morhardt, Ariane Müller, Karsten Neumann, Rainer Neumeier, Irina Novarese, Clare O’Connor, Sim Oerthel, Julia Oschatz, Orakel, Elvis Osmanovic, Ottjörg A.C., Ludger Paffrath, Sophie Pape, Caspar Pauli, Stefan Pente, Manfred Pernice, Hans Petri, Pfelder, Ciara Phillips, Susanne Pittroff, titre provisoire (Cathleen Schuster & Marcel Dickhage), Josephine Pryde, Rena Rädle & Vladan Jeremic, JP Raether, Ayumi Rahn, Bianca Rampas, Judith Raum, Claudia Reinhardt, Barak Reiser, Gunter Reski , Bernward Reul, Mirja Reuter, Nina Rhode, Jens Risch, Stefan Römer, Judy Ross, Ulla Rossek, Anastasya Ryabova, Yaser Safi, Julia Sand, Giovanna Sarti, Edwin Schäfer, Romana Schmalisch & Robert Schlicht, Martin Schmidl, Dierk Schmidt, Konstanze Schmitt, Christian Schwarzwald, Maya Schweizer, Ulrika Segerberg, Thomas Seidemann, Eva Seufert, Katarina Šević, Setareh Shabazi, Andreas Siekmann, Nelly Siekmann, Sigune Siévi, Dominik Sittig, Sean Snyder, Kathrin Sonntag, Selou Sowe, Carola Spadoni, Sarah Staton, Ernst Markus Stein, Anton Stoianov, Veit Stratmann, Caro Suerkemper, Jan Svenungsson, Rebecco Ann Tess, Mirjam Thomann, Jan Timme, Sophie Trenka-Dalton, Petra Trenkel, Micki Tschur, Julian Turner, Sveinung Unneland, Bernadette Van-Huy, Maria Vedder, Katleen Vermeir & Ronny Heiremans, Gabriela Volanti, Raul Walch, Ute Waldhausen, Fritz Laszlo Weber, Klaus Weber, Herbert Wiegand, Philip Wiegard, Klaus Winichner, Norbert Witzgall, Alexander Wolff, Elisabeth Wood, Ina Wudtke, Florian Wüst, Simiao Yu, Simone Zaugg, Günter Zehetner, Joseph Zehrer, Anna Zett, Florian Zeyfang, Xiaopeng Zhou, Christina Zück und andere

Fotografie: Ludger Paffrath

atb#119 Vorraum – titre provisoire & Sim Oerthel

Occupy Vorraum!

Ein Gespräch mit Michael Jäger (Autor und Journalist, Mitbegründer der Wochenzeitung der Freitag) im Rahmen der Finissage der aktuellen Ausstellung

am Sonntag, 22. Februar 2025 ab 17 Uhr

geöffnet von 16 Uhr bis 19 Uhr

Wir haben Michael Jäger aufgrund seines Artikels über Techfaschismus und Dark Enlightment (siehe Anhang) von Dezember ’25 in der Wochenzeitung der Freitag zu einem Gespräch eingeladen. Er ist Politologe, Publizist und Redakteur des Freitag seit der Gründung. Wir möchten mit ihm darüber reden, was uns in der Ausstellung Vorraum von titre provisoire (Cathleen Schuster und Marcel Dickhage) und Sim Oerthel interessierte. Wir sehen darin einen ‘Tanz‘ zwischen den drei Figuren von Sim und den Darsteller*innen im Los Angeles-Film von Cathleen und Marcel, die alle in gewisser Weise politische „Vorräume” bespielen. Sie machen anschaulich, dass es eine Kontinuität (und keinen Gegensatz) gibt zwischen der Liberalität von Marktwirtschaft und dem gegenwärtig sich entfaltenden Faschismus. Bei Sim Oerthel wird dieser Tanz von deformierten und wieder zusammengesetzten Körperteilen von Schaufensterpuppen getanzt. Sie sind beklebt mit Batterien, Kronkorken und faschistischem History Trash. Im Film von Cathleen und Marcell ‘tanzen’ und interagieren Figuren eines neoliberalen Kulturarbeiter*innen Prekariats, das sich an den Status Quo klammert in zunehmend überhitzten Weltstädten und Kriegsszenarien. Es sind Choreografien, die etwas Gemeinsames haben, das wir sowohl Erstarrung, als auch Entfesselung nennen könnten… In unserem Gespräch möchten wir diesen Entwicklungen nachgehen und überlegen, welche emanzipatorischen Handlungsmöglichkeiten und Praxen sich dagegen eröffnen.

organisiert von Alice Creischer und Andreas Siekmann.

Eröffnung: 16. Januar 2026, ab 19 Uhr

Ausstellung: 17. Januar – 23. Februar 2026

geöffnet nach Voranmeldung: 0178 3298106 oder 

Vorraum  

Der Begriff „Vorraum / vorpolitischer Raum“ ist jetzt ein Parteienbegriff geworden. Er unterscheidet zwischen einer Gesellschaft und ihren politischen Akteuren. Diese Unterscheidung ermöglicht es, rechte Parteien von ihrer Meute zu trennen. Im Vorraum lassen sich Symptome als Ursachen verleumden und Sündenböcke daraus machen, NS Symbole zeigen, Horst Wessel Lieder singen, Leute bedrohen oder Foren zumüllen. Wenn Vorraum aber eine allmähliche Veränderung der gesellschaftliche Subjektivität bedeutet, dann könnte auch der Innenraum eines PKWs an einem sonnigen Morgen in Los Angeles ein Vorraum sein, in dem Leute sich über die Unmöglichkeit unterhalten, dass alle Menschen auf der Welt jeden Tag duschen können. Von dort aus müssten wir dann beginnen „Vorraum“ als einen ununterbrochenen Bogen zu denken bis zu den Lipsticktraces der Titelblätter, Straßenparolen und Kriegsdevotionalien. 

titre provisoire, Cathleen Schuster und Marcel Dickhage zeigen den Film `A cold case of happiness´ (34 min), Sim Oerthel zeigt mehrere Fragmentfiguren, die miteinander in Beziehung stehen. 

Cathleen Schuster und Marcel Dickhage arbeiten ausgehend von recherchebasierter Forschung mit einem konzeptionellen Ansatz in zeitbasierten Medien, mit Archiven und Text/Bild bezogen. Sie arbeiten kollaborativ unter dem Namen titre provisoire zusammen.

Sim Oerthel, geboren 1997 in Nürnberg, lebt seit 2020 in Wien und studiert dort an der Akademie der bildenden Künste.

Die Ausstellung wird organisiert von Alice Creischer und Andreas Siekmann.  

#118 – after the butcher & Any Jackson Chaturanga präsentieren: Hablar con la papa en la boca

Eröffnung: 28 November 2025, 18-22 Uhr
mit live performances 20:30–22 Uhr

Mustafa Al Zubaidi, Jashua Bustos Chumasero, Tabea Erhart, Ziyi Li,
Eghbal Joudi, Liesl Lindeque, Bubu Mosiashvili, stefan pente, Shiqi Chai,
Natascha Sadr Haghighian, Ruomeng Huang, Gertrude, Nico Dasenbrock, Moira Meine Fuentes, Nasrin Larijani, Djamila Köckritz,
Pelle Schemmel, Marina Marcomini, Nastja Belousova, Ilona Karácsony, Abdughaffar Tamaa

Wenn sie dann alles genommen haben, wird es bröckeln und der Himmel wird ihnen auf die Köpfe fallen. Bis dahin singen wir, und bauen mit Worten an einer anderen Realität, und plädieren dafür, dass auch geerntet wird was gesät wurde.

Füllt die Kartoffeln in die Risse in der Wand, so dass ihre Früchte sich ausbreiten und von innen heraus aufbrechen.

Etwas nahm seinen Anfang im Frühjahr 2025 bei einem Besuch im sogenannten Humboldt Forum in Berlin. Auf ihrer Reise aus der kolonial gut bereicherten Hansestadt Bremen und ihrer weltberühmten Kunsthochschule, stieß eine Gruppe um Any Jackson Chaturanga auf Hindernisse, die sich unvorhergesehenweise in ihren Mündern fanden. Während sie, noch blockiert, um Worte rangen, erschien plötzlich eine Kartoffel! Hablar con la papa en la boca*) äussert sich in den Lücken zwischen gestohlenen Dingen, in den Schatten und den Schwierigkeiten des Übersetzens. Auf Einladung von after the butcher quartierte sich die Gruppe dann im November 2025 für 10 Tage in den Räumlichkeiten ein, um in Print, Video und Skulptur eben jene Äußerungen zu formulieren. Ein kollektiver Akt, von vielen subjektiven Händen bewerkstelligt. Die exquisiten Spielregeln erwiesen sich als nützlich: Skulpturen sollten nicht größer als 15 x 15 x 15 sein und können herumgereicht werden, eine Karte füllt die Wand, besteht aber aus einzelnen Linolschnitten und anderen Spuren, eine Projektion läuft ständig, aber jedes Video darf nicht länger als 1 Minute sein. 

*) wörtlich: Mit einer Kartoffel im Mund sprechen

Geöffnet nach vorheriger Vereinbarung: +49 178 3298 106 oder: 

atb#117 sliding down the surface of things – Romana Schalisch & Robert Schlicht

Finissage: 16. November 2025, 15-18 Uhr

Ausstellung: 25. Oktober – 16. November 2025

Oberflächen, Dinge, Bewegungen – sliding down the surface of things erzählt von der Existenz am Ende der Lieferkette und den Beziehungen eines modellhaften Menschen im Herzen des globalen Kapitalismus zu den Dingen, die ihn umgeben – zum Großteil Waren, die sich, in Containern versammelt, über die sieben Weltmeere und -Märkte zu ihm aufgemacht haben.

Die Ausstellung präsentiert den Konterpart und eine Fortsetzung der Installation choreography of commodities (2023), die sich mit der Frage der Sichtbarkeit bzw. Unsichtbarkeit der den Globus umspannenden wirtschaftlichen Verhältnisse beschäftigt und den Einsatz von Metaphern und Erzählungen als deren Ausdeutungen untersucht hat. 

Neben der Präsentation von zwei Videoarbeiten zeigt die Ausstellung Ausstattungselemente eines zukünftigen Films. In ihrer Konstruktion einer künstlichen, doch als natürlich erscheinenden gesellschaftlichen Realität, reflektiert der Film das weltumspannende System des Kapitalismus, hinter dessen Oberfläche die handelnden Subjekte zu verschwinden scheinen.

geöffnet nach tel. Voranmeldung +49 178 3298 106 oder per e-mail an: 

sliding down the surface of things wurde gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Berlin.

atb#116, Das Spiel wagen in Ost-Berlin,

Die Ausstellung Spielwagen Berlin 1  Das Spiel wagen in Ost-Berlin behandelt die Geschichte und das Erbe der in Ost-Berlin ansässigen Gruppe ‚Spielwagen Berlin 1‘, die in der späten DDR als Pionierin des experimentellen Spiels und der informellen Bildung auftrat.

Die Ursprünge des Kollektivs reichen in das Jahr 1979 zurück, als die Vorgängergruppe und das ursprüngliche Kollektiv ‚Spielwagen Berlin‘ gegründet wurde. Die Mitglieder des Kollektivs beschränkten das Spielen nicht nur auf dafür vorgesehene Spielplätze, sondern betrachteten die ganze Stadt als möglichen Spielplatz. Ihre Arbeit zentrierte sich um einen umgebauten Möbelwagen – den gegenständlichen Spielwagen -, der zum Transport von Materialien und Werkzeug für mobile Spielaktionen in verschiedenen Ost-Berliner Stadtbezirken genutzt wurde. 1985 spaltete sich die ursprüngliche Gruppe in zwei Gruppen auf.

Die Gruppe ‚Spielwagen Berlin 1‘, die im Fokus dieser Ausstellung steht, setzte ihre Aktivitäten primär in Prenzlauer Berg fort und entwickelte baubasierte Formate wie das Stadtspiel, bei dem Kinder gemeinsam kleine Städte aus Pappe und Brettern bauten und demokratische Prozesse im öffentlichen Raum inszenierten. Diese experimentellen Praktiken der Utopiebildung fanden in den letzten Jahren der SED-Diktatur statt, in einem stark überwachten politischen Kontext. In der Zeit des Umbruchs und der deutschen Wiedervereinigung eröffneten sich für die Gruppe Möglichkeiten der institutionellen Neuerfindung. Anfang 1990 gründeten einige Mitglieder von ‚Spielwagen Berlin 1‘ das ‚Netzwerk Spiel/Kultur Prenzlauer Berg e.V.‘ – eine immer noch bestehende Verkörperung ihrer politischen Ideale, die auf Fürsorge, lokaler Aktion und partizipativer Demokratie fußen.

Die Ausstellung beleuchtet umfassende gesellschaftliche und politische Transformationen durch das Brennglas ‚Spielwagen Berlin 1‘. Im Mittelpunkt stehen der Gründungskontext und Themen wie „Modelle“, „Netzwerke“, „Räume“ und „Transformation“. Die Ausstellung will zeigen, was in einem Land der begrenzten Möglichkeiten durch protozivilgesellschaftliches Engagement möglich war und wie geschickt die Akteure staatliche Strukturen unterliefen oder eigen-sinnig nutzten, um sich und ihrer Utopie relative Freiräume zu erschließen. Kuratiert wurde die Ausstellung von zwei Experten der Spielwagen- und Spielplatzgeschichte im Realsozialismus: der Kulturwissenschaftlerin Virág Bogyó und dem Historiker Florian Manthey. Akribisch zusammengetragenes Originalmaterial aus Privatarchiven wird erstmals öffentlich gezeigt. Interviews mit Zeitzeugen aus dem ‚Spielwagen Berlin 1‘ sind Teil der Ausstellung. 

Als Begleitprogramm der Ausstellung findet der Workshop „Utopische Stadtteilgeschichten für eine Figurentheaterbühne” für Kinder und Jugendliche mit den Künstler:innen und Kunstvermittler:innen Mirja Reuter und Florian Gass statt.

Die Ausstellung wird freundlicherweise von der Robert-Havemann-Gesellschaft unterstützt. Die Recherchen wurden durch das Programm „Culture Moves Europe“ der Europäischen Union und das ungarische Eötvös-Staatsstipendium gefördert. Virág Bogyó und Florian Manthey danken alle Zeitzeug*innen, die mit ihren Geschichten und der Nutzungsmöglichkeit ihrer Archive zum Zustandekommen der Ausstellung beigetragen haben. Besonderer Dank an:

Thea BLANK, Jemima FOXTROT, Tibor HORVÁTH, Annika HÖGNER, Nilson KIRCHNER †, Volker SCHUBERT, Meta SELL, Martyn SORGE, Bernd STUDE, Zoltán SZMOLKA, Sabine TESKE, Elbe TRAKAL, Mike WEIMANN, Sebastian ZILM, Netzwerk Spiel/Kultur Prenzlauer Berg e.V., Robert-Havemann-Gesellschaft und Spielkultur-Buch e.V.

Foto-Dokumentation: Ludger Paffrath, Berlin

atb#115 Interspace Collective

Second Thoughts

Ausstellungseröffnung Freitag, 01.08.25, ab 17.00 Uhr 

Live Performances ab 18:30

Interspace Collective sind: Jamila Barakat, Momo Bera, Lena Cicek, Frank Jimin Hopp, Minh Kha Le, Mengna Tan, Laura Suryani Thedja, Alungoo Xatan 

https://www.instagram.com/interspace_collective/

Die Ausstellung Second Thoughts versammelt acht künstlerische Positionen der zweiten Generation von Migrant:innen in Deutschland. In Skulptur, Video, Installation, Mixed Media, Malerei und Performance thematisieren die Arbeiten Erfahrungen zwischen Herkunft und Erwartung, Entfremdung und Sehnsucht, Widerstand und Selbstverortung. Im Mittelpunkt stehen generationenübergreifende Traumata, feministische und antirassistische Kämpfe, Fragen transnationaler Adoption, kultureller Aneignung und nach Identität in einer postmigrantischen Gesellschaft.

Während der gesamten Laufzeit übernehmen die Künstler:innen die Aufsicht und stehen für Gespräche, Austausch und spontane Führungen bereit. 

Ausstellung: 1. August – 31. August 2025  

 Öffnungszeiten  Do + Fr: 15–19 Uhr  Sa + So: 12–16 Uhr   

Kontakt: +49 176 82 22 44 94

Gefördert durch das Bezirksamt Lichtenberg von Berlin aus Mitteln des Bezirkskulturfonds. 

#114 Victoria Lomasko & Lena Rosa Händle

Eröffnung: Freitag 13. Juni ab 19 Uhr

Ausstellung: 14. Juni bis 20. Juli 2025

Wir laden herzlich ein zur Finissage der Ausstellung

Sonntag 20. Juli, von 15-18 Uhr

mit einem Künstler*innen-Gespräch zwischen Lena Rosa Händle und Victoria Lomasko, moderiert von Ingo Arend von 16-17 Uhr

after the butcher, Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und soziale Fragen freut sich mit Lena Rosa Händle und Victoria Lomasko zwei Künstlerinnen vorzustellen, die sich in ihrem Werk gesellschaftlichen Fragen wie sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit aus feministisch-emanzipatorischer Perspektive widmen. 

In ihrem Projekt Untergehakt und fröhlich kraftvoll ausschreitend zeigt Lena Rosa Händle fotografische Porträts feministischer Gruppen der 1980er- Jahre in Ost- und West-Berlin. Sie verbindet diese mit Texten der porträtierten Frauen. Händle begibt sich mit ihren Protagonist*innen auf eine Spurensuche, um ihre Aktionen und Gruppenbilder in Re-Inszenierungen künstlerisch festzuhalten und damit neu erlebbar zu machen. 

Vielfach unsichtbare lesbische, queere und feministische Geschichten rücken ins Zentrum – ebenso wie Frauen älterer Generationen, die sich häufig über Jahrzehnte hinweg gesellschaftlich und politisch engagiert haben und bis heute in verschiedenen feministischen Kontexten aktiv sind. 

Die Auseinandersetzung umfasst die Frage der Bezogenheit, wie wir in Beziehung zueinander gehen, Beziehungen herstellen und leben, sowohl untereinander als auch zwischen der Künstlerin, ihrem ‘Auge’, der Kamera und ihren Protagonis*tinnen. Beziehung herstellen und abbilden mittels zweier Sujet-Klassiker der Fotografie: dem Gruppenbild und (erweiterten) Familienporträt. Die Feminist*innen bekommen im Prozess des Fotografierens nicht ‘nur’ ein Gesicht – mit dem Porträt entsteht auch ein Raum in dem die Porträtierten mit ihrer Stimme sprechen: durch ihre Texte, die Teil der Arbeit werden konnten.

Victoria Lomasko zeigt einen Zyklus ihrer neuen, im öffentlichen Raum entstandenen Reportage-Zeichnungen von täglichen Begegnungen und Erfahrungen in der für sie neuen ‘westlichen’ Gesellschaft und ihren Menschen.

Lomasko ist eine russische Künstlerin, die sich mit sozialen und politischen Themen an der Schnittstelle von Kunst, Journalismus und Soziologie befasst und dabei eine Synthese aus Text und Bild verwendet. Ihre drei grafischen Bücher Verbotene KunstAnderes Russland und Der letzte sowjetische Künstler, die in mehreren Sprachen, darunter auch auf Deutsch, veröffentlicht wurden, sind eine Chronik von zwei Jahrzehnten der Umwandlung Russlands von einem liberalen, aber kapitalistischen Land in einen totalitären Staat. Mit Notizblock und Skizzenbuch verfolgte und dokumentierte sie zahlreiche Protestdemonstrationen auf Moskaus Straßen sowie politische Gerichtsverfahren, wie das gegen Mitglieder der feministischen und aktivistischen Künstlergruppe Pussy Riot in Moskau im Jahr 2012.

Seit 2022 lebt Lomasko im Exil, hauptsächlich in Berlin, wo sie weiterhin das zeitgenössische Leben und verschiedene lokale Gemeinschaften unserer Gesellschaft erforscht. Sie benutzt ihre Stifte gleich einem seismographischer Rekorder, um soziale Widersprüche und Ungerechtigkeiten zu registrieren, zu beobachten und darüber zu berichten. Mit ihrem Stift und ihrem Skizzenbuch ist sie ein aktives Mitglied des öffentlichen Raums, z. B. bei der documenta 15 und anderen Ausstellungen, Kundgebungen und Demonstrationen, sowohl pro-israelisch als auch pro-palästinensisch, queer-feministischen Paraden, dem Frauentag am 8. März und dem Tag der Arbeit am 1. Mai, um nur einige zu nennen. „Ich möchte die heutige ‚westliche‘ Gesellschaft und ihr Leben aus meiner post-sowjetischen Perspektive analysieren und dokumentieren“, sagt Lomasko. 

Hinweis:

Diskussionsveranstaltung Untergehakt und fröhlich kraftvoll ausschreitend 

mit Lena Rosa Händle, Roswitha Baumeister und Sarah Happersberger (Moderation)

Sonntag 15.06. 2025 16 Uhr

Wie und unter welchen Bedingungen bildeten sich in den 1980er-Jahren feministische Gruppen in Ost- und Westberlin? Welche Bilder werden von ihnen vermittelt – heute und damals? Im von Sarah Happersberger moderierten Gespräch geht es anhand der Arbeit von Lena Rosa Händle um Fragen lesbischer und feministischer Sichtbarkeit, Selbstverständnisse, Bündnispolitik, Gruppenbilder, Erinnerungskultur und Intergenerationalität.

Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und soziale Fragen

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